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Sonntag, 3. August, Äußere und innere Grenzen abbauen

 

Karl Fürst zu Schwarzenberg hielt Plädoyer für ein Europa ohne Angst

 

Mit dem akademischen Festakt wurde die Salzburger Hochschulwoche 2014 feierlich beendet. „Nachdenklich und zugleich impressionsstark, intensiv und faszinierend“ – mit diesen Worten beschrieb der Obmann des Direktoriums Univ.-Prof. Dr. Gregor M. Hoff die vergangenen Tage und lenkte anschließend den Blick noch einmal auf eine Entgrenzung besonderer Art, die Europa verändere, indem sie die Kirche ergreife: Mit Papst Franziskus werde die Kirche zu einem „Anschauungsraum vitaler Entgrenzungen“. Erzbischof Dr. Franz Lackner hob in seinen Schlussworten das mit Papst Franziskus so präsente Moment der Überraschung und des Aufbruchs in seiner Bedeutung für ein Europa und die Kirche hervor. Höhepunkt des Vormittags war die Festrede des „großen Europäers“ Karl Fürst Schwarzenberg, der sich äußeren Grenzen Europas und inneren Grenzen in uns EuropäerInnen selbst zuwandte: „Wir leben in einer Zeit großer Herausforderungen“ – „Zueinander finden wir nur“, so der Festredner, „wenn wir die Grenzen, gleichsam Produkte unserer Angst, abbauen.“

 

(SHW7/teleo) Obmann Univ.-Prof. Dr. Gregor M. Hoff stellte in seiner Begrüßungsrede die Entgrenzungen, die Papst Franziskus der Kirche zumute und ermögliche, ja, sein Wesen als Grenzgänger mit aufrechtem Gang ins Zentrum seiner Betrachtungen. Die Salzburger Hochschulwoche 2014 habe sich auf dieser Linie bewegt und Perspektiven auf europäische Entgrenzungen freigelegt. Mit Karl Fürst zu Schwarzenberg wurde ein Festredner gewonnen, der sich als europäischer Grenzgänger bezeichnen lässt, den „entschlossene Positionsbestimmung und konsequentes Engagement“ (G.M. Hoff) präge und der sich nicht nur in seiner heutigen Rede vehement für europäische Entgrenzungen ein-, sondern diese Haltung auch in der politischen Praxis umsetzte. Hoff verwies eingangs auf eine verwandtschaftliche Linie, die direkt nach Salzburg führt: So war Friedrich von Schwarzenberg ein exponierter Vorgänger des heutigen Salzburger Erzbischofs; der spätere Prager Kardinal spielte eine bedeutende Rolle auf dem I. Vatikanischen Konzil als entschiedener Vertreter der Minorität. Karl Fürst zu Schwarzenberg fand bereits früh den Weg in die Politik. Sein Einsatz für die Menschrechte steht als großes Leitmotiv über seinem politischen Handeln. Einst unter Václav Havel Büroleiter war er zwischen 2007 und 2009 sowie zwischen 2010-2103 Außenminister der Tschechischen Republik und in seiner letzten Amtsperiode auch Präsident des Europäischen Rates.

 

„Zu Europa gehören“ heißt: „nicht ausgesperrt werden“

Grenzen entstehen aus Angst – das zeige schon die Etymologie des Wortes Grenze, wie Karl Fürst zu Schwarzenberg zu Beginn seines Vortrags anmerkte. Im ersten Teil widmete sich Schwarzenberg den äußeren Grenzen Europas und konzentrierte sich dabei auf die Thematik der EU-(Ost-)Erweiterung. Als wichtigsten Schritt der Entwicklung der Europäischen Union bezeichnete er die Eingliederung mitteleuropäischer Staaten vor zehn Jahren – erst zu dieser Zeit sei die Union auch langsam zu einer europäischen geworden. Dazuzugehören, sich frei über Landesgrenzen zu bewegen – das sei für die Menschen konkretes Zeichen, Teil der EU zu sein. Doch es gebe noch viel zu tun: dies betreffe zum einen die Staaten auf dem Balkan und die immense Jugendarbeitslosigkeit, zum anderen die Ukraine ein „Pulverfass“, aber ein Land mit begeisterten Europäern. Mit Entschiedenheit forderte Schwarzenberg, den „europäischen Egoismus“ zu überwinden und Entgrenzungen in der Außenpolitik vorzunehmen – ohne dabei die damit verbundenen Schwierigkeiten zu leugnen.

 

„Liebe deinen Nächsten – nicht erst den Übernächsten“

In einem zweiten Schritt machte Schwarzenberg auf die inneren Grenzen aufmerksam. Von „unfassbarem“ Wohlstand umgeben sei es unsere Pflicht, Verantwortung für die Mitmenschen zu übernehmen, d.h. Grenzen zu beseitigen. Als Beispiele führte er die Ghettoisierung von MigrantInnen an sowie die Schere zwischen Arm und Reich; und schließlich führten Schwarzenbergs Betrachtungen zur Frage nach Vorurteilen, die Grenzen in den verschiedensten gesellschaftlichen Bereichen entstehen lassen - nicht zuletzt auch innerhalb der Katholiken, wenn sich z.B. konservative und progressive Kreise in „Sprachlosigkeit“ gegenüberstehen, anstatt in einen kreativen Dialog einzutreten. Es gehe nicht lediglich um Toleranz, so Schwarzenberg, sondern um Respekt. Nur wenn wir uns mit der Angst vor unserem Nächsten und vor uns selbst auseinandersetzen, können wir wirkliche Entgrenzungen zustande bringen.

 

TERMINHINWEISE:

Die Salzburger Hochschulwoche 2015 steht unter dem Motte „Prekäre Humanitäten“ und findet vom 27. Juli bis 02. August 2015 statt.

 

Weitere Presseinformationen, das Programm sowie Bilder zur honorarfreien Veröffentlichung finden Sie unter: www.salzburger-hochschulwochen.at. Belegexemplare oder Hinweis erbeten.

 

Ansprechpartnerin:

Dr. Teresa Leonhardmair

Pressereferentin

Mobil: +43-(0)-650 98 71 223

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