Skip to main content

Montag, 28. Juli, Europäische Identität?

 

Fragen nach Grenzen und Vitalität des europäischen Projektes

 

Auf die Eröffnungsreden des Obmanns Univ.-Prof. Dr. Gregor M. Hoff und des neuen Salzburger Erzbischofs Dr. Franz Lackner folgten die Eröffnungsvorlesungen des Theologen Prof. Dr. Knut Wenzel und der Pädagogin Prof. Dr. María do Mar Castro Varela, die beide „Grenzen und Vitalität des europäischen Projektes“ (G.M. Hoff) in den Blick nahmen. Über den „Seiteneingang“ der Mythologie begab sich Wenzel auf die Suche nach einer Identität Europas und stellte die Frage, ob Europa die Bedeutung einer Wehrlosigkeit beispielhaft geltend machen könnte. María do Mar Castro Varela zeichnete in ihrem Vortrag eine europäische „Spukgeschichte“ nach, um in der Konfrontation mit einem Europa als Ort der Gewalt einen Bildbruch zu vollziehen: „Es tut gut daran, sich den Gespenstern zu stellen.“

 

(SHW1/teleo) Sowohl Obmann Univ.-Prof. Dr. Gregor M. Hoff als auch der von ihm herzlich begrüßte neue Erzbischof Dr. Franz Lackner leiteten ihre Reden mit der Erinnerung an den Ausbruch des I. Weltkrieges ein – auf den Tag genau vor 100 Jahren erfolgte die Kriegserklärung. Die Brisanz des Themas der heurigen Salzburger Hochschulwoche ergibt sich also auch vor dem Hintergrund der Frage, ob die imperiale Logik des 20. Jahrhunderts wirklich an ein Ende gekommen ist und der Fragilität der Friedensschwüre, so Hoff. In der Eröffnung seiner ersten Hochschulwoche stellte der Erzbischof Dr. Franz Lackner dem Generalthema auch eine biografische Notiz voraus: Obwohl er an der unmittelbaren Grenze zu Slowenien aufgewachsen sei, habe er in dieser Zeit in räumlich-kultureller Hinsicht weniger eine Ent- denn eine Begrenzung erlebt.

 

„Einen Mythos für die Bestimmung Europas in Anspruch nehmen“

Der Frankfurter Universitätsprofessor Knut Wenzel ist bekannt dafür, „literarisch inspirierte und kulturwissenschaftlich versierte Theologie“ (G.M. Hoff) zu betreiben. Seinem Eröffnungsvortrag stellte er eine „hoffnungslose Überforderung, über dieses Projekt Europa zu sprechen“ voran und wich in den Mythos aus – jedoch nicht um den Gründungsmythos zu revitalisieren, sondern den „Durchgang vom Mythos zum Mythos“ zu verfolgen. Und damit befindet er sich in guter Gesellschaft mit vielen KünstlerInnen der Moderne, sei es James Joyce, Christa Wolf, Richard Wagner oder Richard Strauss. Letzter widmete sich dem Mythos der Daphne in der im Jahr 1938 uraufgeführten Oper, deren Stoff Wenzel nun aufgriff, um ihn für die Identitätsfrage Europas fruchtbar zu machen.

 

Europa als Archipel: „keine kompakte Uferlinie, vielfach unvollständig, offen“

Wenzel bezeichnete Europa als einen „Archipel der Moderne und eines melancholischen Glaubens“. Im Begriff des Archipels artikuliert sich jene Spannung zwischen Universalem und Partikularem, die Wenzel auch im Mythos wiederfand. Ein Kontinent der „Subjekte" beruhe auf der Geburt der Subjekte aus dem Akt des Widerstandes. Und hier rekurrierte Wenzel auf Daphne, die sich einer Logik der Zwangsvergemeinschaftung verweigere und gerade im Zagen Lebendigkeitstreue offenbare. So wie die Selbsbehauptung im Mythos der Daphne ihren Preis fordert, so verwirkliche sich auch das Subjekt erst in der Klage, in der Distanzierung zu sich selbst – eine Emanzipationsgeschichte der Moderne kann sich von einer Gewaltgeschichte Europas nicht lösen. Die Wehrlosigkeit der Daphne brachte Wenzel mit Verweis auf Friedrich Nietzsche schließlich in Beziehung zu Jesus Christus, dessen Lebensbejahung so fundamental sei, dass sie sich in Selbstaufgabe artikuliert.

 

„Gespensterlehre beginnt mit der Hinterfragung Europas“

Im Vortrag der Berliner Erziehungswissenschaftlerin María do Mar Castro Varela traten dem Publikum der Salzburger Hochschulwochen „Avancen und Ambiguitäten des europäischen Projektes“ (G.M. Hoff) entgegen – ganz im Sinne des Modus der Forschungsbewegungen in ihren Schwerpunkten Queer- und Genderstudies. In ihren „Spukgeschichten“ thematisierte sie Gewalt und Krisen, um das populäre Bild eines Europas als Friedensprojekt und Wiege der Zivilisation zu stören. Mit Bezug auf Jacques Derrida ging es Castro Varela darum, das „Gespräch mit den Gespenstern“ suchen und einen Umgang zu entwickeln, der es erlaubt, ihnen zu begegnen. Sie skizzierte die blutige Geschichte des Imperialismus, um schließlich im Sinne postkolonialer Theorien insbesondere das klare Verhältnis von Wissen und Macht darzustellen, ja, das Bild eines neutralen Wissens ins Bröckeln zu bringen

 

Religionstriennale im zweiten Jahr

Bereits ins zweite Jahr geht die „Salzburger Religionstriennale“, die als drittmittelgefördertes europäisches Exzellenzprogramm für 20 NachwuchswissenschaftlerInnen aus ganz Europa die Frage nach den europäischen Gegenwarten und die Kopplung an die Religionskulturen in den Blick nimmt. Die Religionstriennale stärke das akademische Profil der Hochschulwochen, so Univ.-Prof. Dr. Gregor M. Hoff. Das Publikum der Hochschulwochen ist eingeladen, den Austausch mit den jungen DoktorandInnen und Postdocs im Rahmen der nachmittags stattfindenden Public Lectures zu nutzen.

 

 

Terminhinweise:

Teil 2 des Vortrages von Prof. Dr. Knut Wenzel: 29. Juli 2014, 10.00, Gr. Aula

Teil 2 des Vortrages von Prof. Dr. María Do Mar Castro Varela: 29. Juli 2014, 11.00, Gr. Aula

Preisverleihung Theologischer Pries an Prof. Dr. Christoph Theobald SJ und Prof. Dr. Michael Theobald, 30. Juli 2014, 19.30, Gr. Aula

 

Weitere Presseinformationen, das Programm sowie Bilder zur honorarfreien Veröffentlichung finden Sie unter: www.salzburger-hochschulwochen.at. Belegexemplare oder Hinweis erbeten.

 

 

Ansprechpartnerin:

Dr. Teresa Leonhardmair

Pressereferentin

Mobil: +43-(0)-650 98 71 223

presse@salzburger-hochschulwochen.at

www.salzburger-hochschulwochen.at