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Sonntag, 4. August, Gnade des Vergessens

 

Internet kennt kein Vergessen – Honnefelder: „Alles im Gedächtnis zu behalten, lähmt Denken und Handeln“

 

Mit dem Festakt gingen die Salzburger Hochschulen 2013 am 04. August zu Ende. Univ.-Prof. Gregor Maria Hoff, Obmann des Direktoriums begrüßte eine Vielzahl an Ehrengästen; die Anwesenheit des Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde Hofrat Marko M. Feingold hob er besonders hervor. Nach Grußworten der Präsidentin des Salzburger Landtags Dr. Brigitte Pallauf betrat der Festredner das Podium: Der Vorsteher des Deutschen Buchhandels Prof. Dr. Gottfried Honnefelder – ein „begeisterter und begeisternder Büchermensch“ (Hoff). In seiner Rede zum „Schrecken vor einem unerbittlichen Gedächtnis“ und „Wunsch des Vergessens“ in der Ära des New Digital Age blickte er letztlich dennoch optimistisch in die Zukunft: „Warum sollten wir den Herausforderungen des neuen Mediums nicht durch eine neue und gleichwohl an skizzierten Prinzipien orientierte Kultur begegnen können?“

 

(SHW7/teleo) 9,5 Milliarden Euro Gesamtumsatz am deutschen Buchmarkt. Beeindruckende Zahlen lieferte der Vorsitzende des deutschen Buchhandels, Univ.-Prof. Gottfried Honnefelder in seiner Rede beim Festakt. Trotz Gewinne (in Deutschland) sei der Umbruch, in dem sich der Buchmarkt insgesamt befindet, erheblich. Im Spiegel der Informationsexpansion durch das Web 2.0 erscheine die Expansion des Wissens im Buchmarkt marginal. Kontroversen zur Zukunft der Buchkultur in den Feuilletons untermauern nur die Brisanz.

Von der Buchkultur zur Digitalkultur? 

„Fängt das neue, im Internet präsente Wissen an, den Charakter von Wissen zu verändern?“ Honnefelders Frage ging seine Lesart Jorge L. Borges’ Geschichte vom Menschen mit dem grenzlosen Gedächtnis, das sein Denken zerstört als eine Parabel auf die moderne Gesellschaft voraus. Open Access im New Digital Age habe eine Debatte um das Verständnis von Wissen ausgelöst. Vier wesentliche Problemfelder von Wissen in der virtuellen Welt des Internets, die Honnefelder skizzierte: Wissen als subjektloses Datum, das kein Genius des Urhebers und keinen direkten Adressaten kenne; Wissen als bedeutungsfreies, da lediglich rein syntaktisch strukturiert; Wissen als Speicherung sekundärer persönlicher Daten; Wissen als Ursache für Verlust des Privaten.

 

„Es braucht eine Kultur des neuen Wissens“

Wie jede Kultur, so bedürfe auch eine Kultur des Wissens der Wertschätzung und des Schutzes, so Honnefelder. Dabei seien Gefahren, die mit neuen Medium des Wissens verbunden sind, jedoch kein Grund, es auszuschlagen oder zu umgehen; diese resultieren schließlich stets aus einem mangelnden Umgang. „Was ansteht ist die Nicht-Reduzierbarkeit von Wissen auf Information, von Kommunikation auf Transfer; von Verstehen auf Speichern, von Schreiben auf Aneinanderhängen von Informationsmodulen.“ Der Wunsch nach Vergessen angesichts einer unsere Kultur kennzeichnenden Unübersichtlichkeit mag zwar verständlich sein, könne aber nicht in einen Befehl verwandelt werden. Honnefelder verstand die strukturellen Seiten der Buchkultur - ihre unaufgebbare Desiderate und Prinzipien, sei es Kriterien zur Selektion, sei es ein komplexes Gefüge von Öffentlichkeit und Privatheit - schließlich als Folie, die übertragen auf die digitale Welt das Sich-Verlieren in der Gleichgültigkeit und Beliebigkeit der Information verhindern könne.

Salzburger Hochschulwochen 2014 zum Thema EUROPA

„EUROPA - ein Wort, ein einfaches Wort, ein ganzer Kontinent, eine Legion von Fragen, ...“. Erzbischof Dr. Alois Kothgasser skizzierte bereits das nächste Thema der Salzburger Hochschulwochen und lud ein, sich im kommenden Jahr mit relevanten Fragen zum krisengeschüttelten Projekt Europa und den möglichen Europa zugrundeliegenden Leitideen auseinanderzusetzen. Als bedeutenden neuen Akzent der Veranstaltung, der heuer erstmals gesetzt wurde, bezeichnete er die Salzburger Religionstriennale.

 

 

 

Terminhinweise:

Salzburger Hochschulwoche 2013, Gefährliches Wissen Reloaded, Nachtreffen in München, 22. 11.- 23. 11. 2013, Junge Akademie Bayern

Salzburger Hochschulwochen 2014, 28. Juli – 03. August 2014

 

 

Weitere Presseinformationen, das Programm sowie Bilder zur honorarfreien Veröffentlichung finden Sie unter: www.salzburger-hochschulwochen.at. Belegexemplare oder Hinweis erbeten.

Ansprechpartnerin:

Dr. Teresa Leonhardmair

Pressereferentin

Mobil: +43-(0)-676 44 10 344

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