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Montag, 29. Juli, Ent-grenzungen des Wissens

 

An den Rändern vermag das Wissen der Kirche seinen verändernden Effekt zu entwickeln

 

Nach den traditionellen Eröffnungsansprachen des Salzburger Erzbischofs Dr. Alois Kothgasser und des Obmanns Univ.-Prof. Dr. Gregor Maria Hoff, die inhaltlich bereits den Bogen zur ersten Vortragenden spannten, leitete die renommierte Theologin Prof. Dr. Johanna Rahner mit ihrem Vortrag zum gefährlichen Wissen der Kirche die Salzburger Hochschulwochen 2013 ein. Nicht die Exklusion, sondern die Inklusion sei die entscheidende Anpassungsleistung des Christentums und des Wissens der Kirche, so Rahner. Auf ihre Ausführungen folgte der prominente deutsche Philosoph Prof.em. Dr.Dr.h.c.mult. Otfried Höffe, der sich die Frage stellte: „Was können, was dürfen wir wissen?“

 

(SHW1/teleo) Erzbischof Dr. Alois Kothgasser leitete seine Eröffnungsrede mit dem noch neuen Pontifikat Jorge Mario Bergolgios ein und sprach neben den soziologischen Rändern der Gesellschaft, denen sich Papst Franziskus insbesondere verpflichtet fühlt, von den Peripherien „gesellschaftlicher Zustimmung und postmoderner Lebenswirklichkeiten“ als Randzonen der Kirche. Indem er die Diagnose einer krankmachenden Selbstbezüglichkeit der Kirche anstellte und das „gefährliche Bild“ von Kirche als „Gefängnis Jesu“ entwarf, leitete Kothgasser bereits zum ersten Vortrag über: „Hier setzt sich ein Wissen von der Kirche durch, das etwas Gefährliches beinhaltet“.

 

Gefahrenpotenziale kirchlichen Wissens

Die profilierte deutsche Theologin Prof. Dr. Johanna Rahner, Professorin für Systematische Theologie an der Universität Kassel entfaltete in ihrem Vortrag zum „gefährlichen Wissen der Kirche“ das sich verändernde Gefahrenpotenzial vom frühen Christentum bis in die Gegenwart und stellte die entscheidende Frage nach der Aufgabe einer Kirche von Heute und damit verbundenen Konsequenzen. Die Entscheidung, sich nicht einem „gnostischen Elitebewusstsein in die Arme zu werfen“, sondern auf weltveränderndes Potenzial des eigenen Wissens zu setzen, sich in den Dienst an der Welt zu stellen, apologetisch wie missionarisch zu verkünden, sei eine Grundentscheidung für die Öffnung zur Welt, die bereits im frühen Christentum getroffen wurde.

 

„Nicht gegen die Welt, sondern zusammen mit ihr“

Durch die „unselige Verquickung von geistlicher und weltlicher Macht“ im Mittelalter hat das Wissen der Kirche sein Gefahrpotenzial verloren. Nach der Aufklärung flüchtete sich Kirche in die Position der Defensive und in ihr Selbstverständnis als alleiniger „Hort der Wahrheit“ – das Wissen der Kirche wurde wertlos. Rahner führte in Anlehnung an das bekannte Schlagwort des II. Vatikanischen Konzils Aggorniamento (Gaudium et Spes) und mehrmals Dietrich Bonhoeffer zitierend aus, wie Kirche gegenwärtig als „Bürgerinitiative des Hl. Geistes“ (H.-J. Höhn) in ihrer prekären Identität ihre Heimat im Exil, ja in der Ort-losigkeit haben muss, um bei den Menschen zu sein. Morgen wird sie die Elemente einer Grundsignatur eines Wissens der Kirche konkretisieren.

 

„Das Phänomen ‚gefährliches Wissen’ ist weit älter als wenige Jahrzehnte“

Der den ZuhörerInnen aus Medien und Publikationen verschiedener Art vertraute Tübinger Ethiker Prof.em. Dr.Dr.h.c.mult. Otfried Höffe untersuchte in seinem Referat eine dem Wissen per se implizite Gefährlichkeit, die über Assoziationen mit dem „gläsernen Patienten“, Datenlecks und Social Media und damit dem Missbrauch von Wissen, hinausgeht. Rekurrierend auf Aristoteles widmete er sich in seinen kurzweiligen Ausführungen verschiedenen Wissensarten und schließlich dreierlei Gefahren – dem aufklärerischen Charakter, der Nutzenfreiheit, der begehrlichen curiositas – welche Wissen als Kontrast und Kontrapunkt birgt.

 

Errungenschaften im diesjährigen Programm

Obmann Univ.Prof. Dr. Gregor Maria Hoff wies in seiner Ansprache auf die Salzburger „Religionstriennale“ hin, im Rahmen derer die drei großen monotheistischen Religionen entlang dem jeweiligen Jahresthema in ein Gespräch verwickelt werden. Die aus dreizehn verschiedenen Ländern stammenden Teilnehmenden erörtern gemeinsam mit vier WissenschaftlerInnen Fragen zum aktuellen Thema im Kontext von Judentum, Christentum und Islam.

 

 

Terminhinweise:

Teil 2 des Vortrages von Prof. Dr. Johann Rahner, morgen 30. Juli 2013, 10.00, Große Aula

Teil 2 des Vortrages von Prof.em. Dr.Dr.h.c.mult. Otfried Höffe, morgen 30. Juli 2013, 11.00, Große Aula

Preisverleihung Theologischer Pries an Bischof Karl Kardinal Lehmann, 31. Juli 2013, 19.30, Große Aula

 

Weitere Presseinformationen, das Programm sowie Bilder zur honorarfreien Veröffentlichung finden Sie unter: www.salzburger-hochschulwochen.at. Belegexemplare oder Hinweis erbeten.

 

 

Ansprechpartnerin:

Dr. Teresa Leonhardmair

Pressereferentin

Mobil: +43-(0)-676 44 10 344

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