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Mittwoch, 31. Juli, „Glaube und aufrechter Gang“

 

Theologischer Preis ergeht an den Forscher, Gelehrten, Bischof und Kirchenmann Kardinal Lehmann

 

Im Beisein zahlreicher Ehrengäste wurde Karl Kardinal Lehmann, Bischof von Mainz mit dem Theologischen Preis der Salzburger Hochschulwochen 2013 ausgezeichnet. Aus gesundheitlichen Gründen konnte der Preisträger leider nicht persönlich anwesend sein. Obmann Univ.-Prof. Dr. Gregor Maria Hoff richtete herzliche Grüße Lehmanns aus, auf dessen ausdrücklichen Wunsch die Feierstunde wie geplant stattfand. Nach den Worten des Laudators Prof. Dr. Dr.h.c. Hans Maier, bayrischer Staatsminister a.D. verlas Dr. Florian Schuller, Leiter der Katholischen Akademie in Bayern die Dankesrede des Kardinals.

 

(SHW3a/teleo) Als „Meilenstein katholischer Theologie nach dem II. Vatikanum“ würdigte  Obmann Univ.-Prof. Dr. Gregor Maria Hoff die Arbeit des heurigen Preisträgers Bischof Karl Kardinal Lehmann und bedauerte sein Fehlen in dieser Feierstunde. Anschließend übergab Hoff das Wort an den Laudator Prof. Dr. Dr.h.c. Hans Maier, den er zuvor als ebenso „überragenden Intellektuellen“ bezeichnete, der bereits eine eigene Laudatio verdiene. Der Staatsminister a.D. ließ in seiner Rede erkennbar werden, wie Lehmann den Theologen und den Bischof in sich vereine – er sei eben beides, so Maier, und bekomme ergo auch für „beide Personen“ den Preis. Erfolge und Enttäuschungen säumten den bisherigen kontinuierlichen Lebensweg des Kardinals, den dieser stets beharrlich und konsequent beschritten hat.

 

„Bereitschaft, sich anderes anzueignen und aus Gegensätzen zu lernen“

Der „Gelehrte Karl Lehmann“ (Maier), der Philosoph und Theologe, der „leidenschaftliche Hochschullehrer“ (Lehmann) verwandelte sich in den Kirchenmann, den Bischof und Kardinal. Maier: „Ein seelsorgliches Element war den Aktivitäten des Wissenschaftlers [...] schon immer zu eigen.“ Mit Intelligenz und Fleiß, aber auch in seiner Selbstlosigkeit, Dialogfähigkeit und Integrationskraft sei Lehmann zu einem „idealen Vermittler zwischen Amt und Theologie“ geworden. Dabei wurde er nie müde, sich zu informieren und entwickelte einen „strategischen Blick für Wichtiges und Unwichtiges“. Maier hob insbesondere Lehmanns internationale und ökumenische Aktivitäten hervor, die Weiterentwicklung theologischen Denkens anhand konkreter Beispiele und Vorfälle sowie dessen Funktionen in der Synode der Bistümer: „Wir katholischen Laien sind Karl Lehmann für diese Arbeit in Stille überaus dankbar“, so der Laudator. Der Bischof sei inmitten seiner Kirche gestanden – Konflikten sei er nie ausgewichen; als Beispiel kann die Frage nach der Zulassung wiederverheirateter Geschiedener erwähnt werden. Rege Kontakte mit Politik und Wirtschaft, Kunst und Medien, Recht und Medizin erweiterten seinen Horizont. Als „ein Mann, der sagt, was er denkt“ (Maier), in seiner Geduld, Güte und Menschenfreundlichkeit, ja nicht zuletzt in seiner „Normalität“, habe er weitreichende Anerkennung erfahren.

 

„Brücken bauen, wo keine Pfeiler erkennbar sind“

In seiner Dankesrede reflektierte Lehmann Erleben und Verständnis seines kirchlichen und theologischen Auftrags in chronologischer Art und Weise anhand seiner Biographie. In der ersten Studienzeit prägten Philosophie und wissenschaftliche Einführung der Exegeten in das Verständnis der Hl. Schrift die intellektuelle Auseinandersetzung. Den Weg zum priesterlichen Dienst – weitgehend unabhängig von den damals aktuellen Entwicklungen der Kirche kurz vor dem Konzil – waren gekennzeichnet von der Hinwendung zur wiederentdeckten authentischen Ignatianischen Spiritualität. Die Zusage das Bischofsamt zu übernehmen, sei die „schwierigste Entscheidung“ seines Lebens gewesen, so Lehmann. Charakteristisch für seine Zeit als Bischof war für ihn – unter vielem anderen – eine intensive Visitationspraxis und v.a. der Dialog: „Ich habe immer das Gespräch mit den Wissenschaften und den Künsten gesucht.“ Die wiedergefundene deutsche Einheit beschrieb der Preisträger als „ein über Jahre hinweg wichtiges Ereignis“ in seiner Amtszeit. Dem Wissenschaftler Karl Lehmann war die Edition großer Texte – neben eigenen Publikationen – stets ein vorrangiges Anliegen.

 

„Bereitschaft zum Aufbruch („Kommt“) – Offenheit für neue Erfahrungen („Seht“)“

Der 1936 in Sigmaringen als Sohn eines Lehrers geborene Lehmann erlebte als Kind den 2. Weltkrieg mit – eine für ihn prägende Zeit. Mit Grundfragen des Menschseins setzte er sich bereits in den Jahren am Gymnasium in Sigmaringen (Abitur 1956). Lehmann: „Mein karges Taschengeld verwendete ich für die Bücher.“ Anschließend entschied er sich für das Studium der Theologie und Philosophie in Freiburg; ein Jahr später wechselte er an das Päpstliche Collegium Germanicum-Hungaricum in Rom. 1962 promovierte er zunächst in Philosophie zu Martin Heidegger; der Doktortitel in Theologie – mit einer biblisch-exegetischen Studie als Dissertation – folgte fünf Jahre danach. 1963 wurde er in Rom zum Priester geweiht. Nach seiner Zeit als Assistent von Karl Rahner (1964-1967) wurde er 1968 zum Professor für Dogmatik und Theologische Propädeutik in Mainz berufen und wechselte 1971 nach Freiburg, wo er eine Professur für Dogmatik und Ökumenische Theologie bis 1983 inne hatte. In diesem Jahr nämlich wurde er zum Bischof von Mainz geweiht. Von 1987 an war Lehmann viele Jahre Vorsitzender der deutschen Bischofskonferenz. 2001 wurde ihm endlich auch die Kardinalswürde zuteil.

 

Auszeichnung für theologisches Gesamtwerk

Der Theologische Preis der Salzburger Hochschulwochen wird seit dem Jahr 2006 jährlich in Anerkennung des theologischen Gesamtwerks eines Wissenschaftlers vergeben. Bisherige Preisträger waren u.a. Walter Kasper (2006), Erich Zenger (2008), Christoph Markschies (2010) sowie José Casanova (2012).

 

LINK:

www.freidok.uni-freiburg.de/volltexte/7/

(Vollständige pdf-Online-Version der Dissertation Karl Lehmanns, Vom Ursprung und Sinn der Seinsfrage im Denken Martin Heideggers)

 

Weitere Presseinformationen, das Programm sowie Bilder zur honorarfreien Veröffentlichung finden Sie unter: www.salzburger-hochschulwochen.at. Belegexemplare oder Hinweis erbeten.

 

Ansprechpartnerin:

Dr. Teresa Leonhardmair

Pressereferentin

Mobil: +43-(0)-676 44 10 344

presse@salzburger-hochschulwochen.at

www.salzburger-hochschulwochen.at