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Mittwoch, 31. Juli, Gefährliches Wissen als Motor von Veränderung

 

Wissen um „begrenzte Welt“ erfordert Transformation der Industriegesellschaft

 

Gefährliches Wissen zu aktuellen globalen Herausforderungen sei seit langem bekannt – viel zu wenig werde jedoch unternommen. Prof. Dr. Martin Faulstich, mit zahlreichen Preisen ausgezeichneter Inhaber des Lehrstuhls für Umwelt- und Energietechnik an der TU Clausthal mahnte eine nachhaltige Industriegesellschaft ein. Faulstichs Plädoyer müsse ernst genommen werden, so der zweite Vortragende des heutigen Vormittags, Prof.em. DDr. Dr.h.c. Günter Rager in der Überleitung zu seiner Vorlesung. Die Umsetzbarkeit neuer Konzepte sei an menschliche Freiheit gebunden, die mächtig genug sei, den Lauf der Geschichte zu ändern. Im Vollzug erweise Freiheit ihre Realität; nicht zuletzt in der notwendigen Übernahme von Verantwortung für die Zukunft – hat heutiges Handeln doch in bisher nicht gekanntem Ausmaß Folgen für künftige Generationen.

 

(SHW3/teleo) Unser Naturkapital ist begrenzt – daher existiere auch kein grenzenloses Wirtschaftswachstum, formuliert der Sachverständigenrat für Umweltfragen der Deutschen Bundesregierung, die älteste politische Einrichtung für Umweltschutz in der Bundesrepublik Deutschland. Deren Vorsitzender, Prof. Dr. Martin Faulstich, stellte sich im Rahmen der Salzburger Hochschulwochen 2013 die damit einhergehende Frage nach der Zukunft der Industriegesellschaft. Die Kurven in den Diagrammen zum Weltwirtschaftswachstum gleichermaßen wie jene zum Verbrauch fossiler Rohstoffe, zu CO2-Emissionen oder zur Bevölkerungsentwicklung weisen den bekannten „Hockeyschläger-Effekt“ auf. Das „gefährliche Wissen“ von der Welt als „Kugel mit begrenztem Inhalt“, so Faulstich, berge enormen ökologischen und sozialen Sprengstoff.

 

Produktionssystem neu erfinden und vollständig in Kreislaufwirtschaft arbeiten

Faulstich entgegnete dem Trend zur Effizienzsteigerung – sei es im Bereich Automobiltechnologie oder Bauen und Wohnen – mit der These: „Das Setzen auf Effizienzsteigerung führt in der Regel zu mehr Verbrauch.“ Der Rebound-Effekt ergebe sich durch das immer preiswertere Angebot, das keine Anreize schaffe, den Verbrauch zu senken.

 

„Bist du für Windkraft? Ja, aber bitte fang’ beim Nachbarn an...“

In Zukunft werden wir vollständig auf erneuerbare Energien umsteigen müssen. Dass der Wandel der Strominfrastruktur mit gewissen Beeinträchtigungen einhergehe, sei Faktum. Photovoltaik- und Windkraftanlagen fordern uns nicht aufgrund technischer Schwierigkeiten, aber werfen Fragen in Bereichen wie Landschaftsästhetik, Strommarktdesign oder Finanzierung auf. Ähnlich erfordert das Ziel, alle Rohstoffe im Kreislauf zu halten, ein Umdenken: Damit aus dem „Wegwerfartikel“ ein „Recyclingartikel“ wird, seien neue Nutzungsmodelle, Reparaturfähigkeit oder langlebiges formschönes  Design erforderlich. „Die Technik allein wird uns nicht retten“ hält Faulstich zuletzt fest und fordert gleichzeitig ein Nachdenken über Lebensstile ein, um den Übergang zur nachhaltigen Industriegesellschaft der Zukunft erfolgreich zu gestalten.

 

„Nicht das Gehirn entscheidet, sondern ich bin es, der entscheidet“

Freiheit in ihren Dimensionen von Handlung, Willen und Sittlichkeit ist Säule unserer Kultur. Entgegen der alltäglichen Erfahrung von Freiheit stellen die modernen Neurowissenschaften deren Existenz vielfach in Frage und degradieren sie zur bloßen Einbildung. Der Philosoph und Mediziner Prof.em. DDr. Dr.h.c. Günter Rager hielt in seiner Vorlesung eingangs zwar fest, dass Freiheit kein sicherer Besitz und letztlich auch an den Leib gebunden sei; jedoch kritisierte er entschieden einen reduktionistischen Naturalismus, der geistige Akte auf rein neuronale Prozesse reduziert und den Menschen als Ganzes außer Acht lässt. „Alle geistigen Akte haben ein neuronales Korrelat“, so Rager; der Umkehrschluss, aus neuronalen Akten ließen sich geistige Akte ableiten, gelte nicht.

Rager beklagte die Missverständnisse in der aktuellen Debatte, die wesentlich aus der falschen Absolutsetzung von Freiheit resultierten, die als humane doch lediglich eine endliche, eine bedingte sein könne. Im abschließenden Entwurf einer Philosophie der Freiheit legte er ein Hauptaugenmerk auf die epistemische Differenz zwischen der neurowissenschaftlichen Ebene und jener der persönlichen Erfahrung.

 

Terminhinweise:

Diskussion Prof. Dr. Martin Faulstich/Prof.em. DDr.Dr.h.c. Günter Rager, morgen 01. August 2013, 10.00, Große Aula

Publikumspreis, morgen, 01. August 2013, 14.30, Große Aula

 

Weitere Presseinformationen, das Programm sowie Bilder zur honorarfreien Veröffentlichung finden Sie unter: www.salzburger-hochschulwochen.at. Belegexemplare oder Hinweis erbeten.

 

 

Ansprechpartnerin:

Dr. Teresa Leonhardmair

Pressereferentin

Mobil: +43-(0)-676 44 10 344

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