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Dienstag, 30. Juli, Janusgesicht des Wissens

 

Erfolge und Gefahren kennzeichnen das Projekt Wissenschaft

 

Der Philosoph Prof.em. Dr. Dr.h.c.mult. Otfried Höffe setzte sein Anliegen fort, das Problembewusstsein hinsichtlich des Generalthemas zu schärfen – „Das übliche Verständnis von gefährlichem Wissen ist entschieden zu eng“ – und fragte nach dem (neuen) Selbstverständnis der Wissenschaft: „Echte Forschung ist ein Gang ins Neuland; aber kann man ins Neuland auch bei Nebel gehen und andere hineinziehen?“. Jenseits von „Sex & Crime“ verortete die Theologin Prof. Dr. Johanna Rahner Gefährlichkeit des Wissens der Kirche in den Glaubensinhalten. Es richte sich sowohl nach innen als auch nach außen. Am zweiten Tag konkretisierte sie dessen Konsequenzen. Die „Leerstelle“ im Wissen über Gott gelte es, offen zu halten. In einem „World Café“ erörterten die beiden Vortragenden gemeinsam mit dem Publikum Fragen zu den Vorlesungen.

 

(SHW2/teleo) „Wunschträume und Albträume“ – In seinen historisch wie systematisch angelegten Vorlesungen zum Phänomen Gefährliches Wissen setzte der Philosoph Prof. Prof.em. Dr.Dr.h.c.mult. Otfried Höffe am heutigen Tag mit der Frage nach dem humanitären Impuls, der moderner Forschung zugrunde liege fort und stellte die Ambivalenz der Wissenschaft zu Beginn ins Zentrum seiner Betrachtungen. Ein relevanter Terminus in diesem Kontext sei der Begriff des Risikos; eine Risikoforschung müsse mit Sorgfalt und Phantasie Verlaufsmuster zu möglichen Gefahren und der Wahrscheinlichkeit deren Eintretens erstellen: „Neuartige Experimente ohne Risikoforschung sind bedenklich.“ In ihrem Selbstverständnis als „Vorbild und Gegenbild“ müsse sich Wissenschaft der Doppelgesichtigkeit ihrer Leistungen bewusst werden. Experimente führten zu einem Handeln sowohl in als auch an der Welt, wodurch Wissenschaft der Neutralität verlustig gegangen sei. Mit Rekurs auf Immanuel Kant und der Definition des Menschen als zutiefst moralisches Wesen kritisierte Höffe einen „Imperialismus des Wissens“ – beschwöre dieser doch die Gefahr herauf, „existenzielle Themen auf’s Spiel zu setzen“.

 

„My Home is my Castle“ – Souveränität des Privaten

An das Ende seiner Ausführungen stellte Höffe die Globalisierung von Wissen. Zunächst konstatierte er in Bezug auf diese Tendenz erhebliche Gewinne – betreffe es Demokratisierung oder Ökologisierung. Schließlich unterzog er die Kehrseite des Erfolges jedoch harter Kritik: Über das Argument des Sicherheitsbedürfnisses höhle der „Schnüffelstaat“ den Freiheitsschutz aus; der Mensch werde zum bloßen Datenlieferanten herabgestuft; die Freiheit als Kernelement des demokratischen Selbstverständnisses werde unterlaufen. So forderte Höffe: „Der Kernbereich menschlicher Lebensgestaltung muss geschützt werden.“

 

Gefährliches Wissen als Sand im Getriebe

Zeichnete Prof. Dr. Johanna Rahner in ihrer ersten Vorlesung den Umgang mit gefährlichem Wissen „im Zeichen gegenläufiger Bewegung in ihrem Weltbezug“ (Gregor Maria Hoff) von vorkonziliaren Zeiten bis in die Gegenwart nach, verdeutlichte sie heute anhand von vier Punkten Momente eines Wissens, das gefährlich sei, weil es Normales störe, den Anspruch auf das Ganze erhebe und einen Gegenentwurf zu einfachen Konfliktlösungen darstelle.

 

„Gott hat keinen Namen“

Eine „Kultur des ganz anderen Gottes“ markiere ein gefährliches Wissen in Gott, so Rahner. Von diesem kritischen Potenzial einer biblischen Gottesvorstellung, die auch etwaigen kirchlichen Vereinnahmungen widerspreche, gelangte Rahner zu Punkt zwei: Dem gleichermaßen (politisch) höchst aktuellen wie mangelhaften apokalyptischen Weltbild – der metaphysische Überbau fehle – wurde die „messianische Zeit“ als erfüllt und operativ gegenübergestellt. In einem dritten Schritt machte sie deutlich, wie sehr die Menschwerdung Gottes menschliche Existenz an sich würdige und hob die Bedeutung dieses Wissen für das Bild des Menschen in der Kirche hervor. Zuletzt widmete sich Rahner dem Moment der Erinnerung, entgegen einer spätmodernen Ideologie des Vergessens („kulturelle Amnesie“): Mit dem „gefährlichen Wissen“ von der Erinnerung, die Identität erschaffe, schwimme Kirche gegen den „Mainstream eines heutigen Selbstverständnisses“.

 

Terminhinweise:

Vortrag von Prof. Dr. Martin Faulstich, morgen 31. Juli 2013, 10.00, Große Aula

Vortrag von Prof.em. DDr.Dr.h.c. Günter Rager, morgen 31. Juli 2013, 11.00, Große Aula

Preisverleihung Theologischer Preis an Bischof Karl Kardinal Lehmann, morgen, 31. Juli 2013, 19.30, Große Aula

 

Weitere Presseinformationen, das Programm sowie Bilder zur honorarfreien Veröffentlichung finden Sie unter: www.salzburger-hochschulwochen.at. Belegexemplare oder Hinweis erbeten.

 

 

Ansprechpartnerin:

Dr. Teresa Leonhardmair

Pressereferentin

Mobil: +43-(0)-676 44 10 344

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