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Sonntag, 7. August, Festakt und Nachbericht


Die Zukunft gehört den Mutigen
Salzburger Hochschulwochen 2011 bereiten den Weg für ein neues Morgen


Mit dem Festakt in der Großen Aula der Universität Salzburg gingen die Hochschulwochen 2011 am 7. August zu Ende. Über 950 TeilnehmerInnen befassten sich eine Woche lang gemeinsam mit hochkarätigen ReferentInnen aus interdisziplinärer Perspektive mit dem Thema „Sicher unsicher“. Festredner Alois Glück, der Vorsitzende des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, fokussierte am Sonntag auf die politischen und gesellschaftlichen Dimensionen der Sehnsucht nach Sicherheit. „Unsere Art zu leben ist nicht zukunftsfähig, weder menschlich-sozial, noch ökologisch und auch nicht ökonomisch. Wir erwirtschaften seit langem nicht mehr, was unsere Art zu leben kostet. Unser aller Aufgabe ist die Entwicklung einer zukunftsfähigen Kultur der Verantwortung“, forderte Glück.


Seit 80 Jahren sind die Salzburger Hochschulwochen eine feste Institution im deutschen Sprachraum. Von 1. bis 7. August 2011 widmeten sie sich der hochaktuellen Frage nach (Un-Sicherheit. Im Blick standen dabei Kriminalität und Terror, Bedrohungen durch Umwelt- und Finanzkrisen, Medizin in kritischen Lebensphasen, das Schockierende in der Kunst und die Bewältigung von persönlichen Krisen. Als Referenten konnten hier Dr. Maximilian Burger-Scheidlin, Univ. Prof. Dr. Friedrich Steinhäusler, Prof. Em. Dr. Alois Baumgartner, Univ. Prof. Dr. Felix Unger, Ao. Univ. Prof. Dr. Wolfgang Kromp, Univ. Prof. Mag. Dr. Ines M. Breinbauer, Prof. Dr. Claudia Bickmann und P. Dr. Gustav Schörghofer SJ begrüßt werden.


Theologische Reflexion: Offenheit gegenüber dem Anderen gefordert


Besonderes Augenmerk galt dem Umgang von Kirche und Theologie mit den Verunsicherungen des 21. Jahrhunderts. Prof. Dr. Lieven Boeve und Jun.-Prof. Dr. Matthias Sallmann plädierten hier für einen offensiveren Umgang mit den veränderten sozialen, politischen und religiösen Kontexten von heute. Sallmann sprach vom „Andocken an die Gesellschaft“, Boeve skizzierte eine vom biblischen Jesus inspirierte „Theologie der Unterbrechung“, die geschlossene Strukturen aufbricht und sich den Herausforderungen durch „den Anderen“ kreativ öffnet. Mit großem Interesse wurden die Ausführungen des Pressesprechers der deutschen Bischofskonferenz, Matthias Kopp, aufgenommen. „Kirche muss mehr von sich aus Themen setzen, sie muss agieren statt reagieren. Wir müssen strategisch langfristig denken und mehr Kommunikation und Ehrlichkeit, eine klare Sprache, mehr Werbung wagen“, so seine zentralen Thesen angesichts der Krisen der katholischen Kirche in den vergangenen Jahren.


Gewissenlose Gefährdung künftiger Generationen


Bereits zu Beginn der Woche hatte Prof. Dr. Regina Ammicht Quinn vor einer Absolutsetzung des Sicherheitsbegriffs gewarnt und dazu aufgerufen, als politische Weltbürger aktiv zu werden. Diese Forderung nahm Alois Glück in seiner abschließenden Festrede erneut auf. Der langjährige führende CSU-Politiker aus Bayern wurde 1940 im Landkreis Traunstein geboren und ist seit November 2009 Vorsitzender des Zentralkomitees der deutschen Katholiken. Er ortet in unserer Gesellschaft höchst problematische Entwicklungen: die Entkoppelung des Anspruchs auf Freiheit und der Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, den Wandel vom langfristigen zum kurzfristigen Denken und den ökonomischen Selbstbetrug in der Wohlstandsrechnung. „Wir mogeln uns vorbei durch ständige Neuverschuldung und führen einen Lebensstil auf Kosten der Zukunfts- und


Lebenschancen der nachkommenden Generation – und wir tun es ohne schlechtes Gewissen“, mahnt Glück.


Den mutigen Realisten gehört das Morgen


Zugleich gibt er Denkanstöße für einen Weg aus der Krise. Auf Basis der christlichen Soziallehre fordert er eine neue Kultur der Verantwortung: der Verantwortung für sich selbst, die Mitmenschen, das Gemeinwesen und die Nachkommen. Glück erklärt weiter: „Es braucht die Bereitschaft und die Fähigkeit zur Veränderung, Rahmenbedingungen, in denen die Politik in Zukunftsaufgaben investiert, obwohl es sich wahlpolitisch nicht lohnt.“ Doch die Politik alleine sei nicht gefordert, Ziel sei eine öffentliche Debatte, die Gesellschaft müsse aktiv werden. Glück beschließt: „Als Christen haben wir keine Patentrezepte als Antwort. Aber wir haben aus unserer Religion und dem daraus entwickelten Wertesystem wichtige Orientierungen für unser Handeln. Die Zukunft gehört nicht den Ängstlichen, die Zukunft gehört den mutigen Realisten.“


Ausblick Salzburger Hochschulwochen 2012: „verantworten“


Präsident Erzbischof Kothgasser gab bereits einen Ausblick auf die Hochschulwochen 2012. Sie werden sich vom 6. bis 12. August mit dem Thema „verantworten“ beschäftigen. Obmann Univ. Prof. Dr. Gregor Maria Hoff betonte, dass die Hochschulwochen gerade 50 Jahre nach Beginn des Zweiten Vatikanums 1962 als Lebenszeichen einer offenen, kritischen Katholizität zu verstehen seien. So werden im kommenden Jahr erstmals englischsprachige Vorlesungen am Nachmittag geboten werden. Ziel ist eine Internationalisierung der Hochschulwochen und eine Attraktivierung für Studierende aus ganz Europa.