Skip to main content

Sonntag, 7. August, Abschlussrede Erzbischof Dr. Alois Kothgasser


Liebe Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Salzburger Hochschulwoche 2011!
Liebe Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen!
Sehr geehrte Referentinnen und Referenten!
Liebe Ehrengäste der Salzburger Hochschulwoche!

Nach einer spannenden und intensiven Salzburger Hochschulwoche 2011 möchte ich die Gelegenheit nutzen, meinen Dank zu sagen –vor allem Ihnen, sehr geehrter Herr Glück, für Ihren Festvortrag!

Mein Dank gilt allen Vortragenden und dem Team der SHW, das sie geplant und durchgeführt hat. Aber mein Dank gilt auch Ihnen, liebe Teilnehmerinnen und Teilnehmer der SHW, für Ihr Kommen, Ihr Mitmachen, die Gemeinschaft, die wir in dieser Woche erleben durften.

In diesem Jahr hat sich die Zahl der Studierenden erneut steigern lassen – ein belebendes Moment für die SHW und ein Zeichen ihrer Zukunftsfähigkeit! Kommen Sie wieder, erzählen Sie weiter, was Sie erlebt haben, begeistern Sie andere für die SHW! Ich habe den Eindruck, das sollte Ihnen nicht schwer fallen!

Das führt mich am Ende dieser SHW einen Schritt weiter, in das nächste Jahr. Die Salzburger Hochschulwoche vom 6. bis 12. August 2012 bearbeitet das Thema Verantwortung und übersetzt es in seine Tätigkeitsform: „verantworten“ lautet ihr Titel.

In wachsendem Maße entzünden sich gesellschaftliche Konflikte anhand von Gerechtigkeitsfragen. Es handelt sich um mehr als bloße Verteilungskämpfe. Partizipation stellt die Herausforderung des 21. Jahrhunderts dar. Sie fordert dazu auf, die gesellschaftlichen Fakten, die wir schaffen, vor den Folgen der Zukunft, die wir absehen können, zu verantworten.

Der Umbruch der Sozialsysteme, der Zugang zu Lebensressourcen, die Verteilung von Umweltbelastungen – sie fordern zum Nachdenken über die Mechanismen gesellschaftlicher Ein- und Ausschließungen auf. Migrationsströme teilen die Welt mitten in Europa und ziehen Grenzen, die sich über Ernährung und Gesundheit, Einkommen und Bildung definieren. Sie betreffen die Möglichkeiten persönlicher Lebensgestaltung und tasten die Würde von Menschen an.

Verantworten bildet den Imperativ jeder Zeit. In das 21. Jahrhundert führt er mit eigener Brisanz ein. Er leitet in den arabischen Ländern den Protest gegen die Herrschenden an und bringt die protestierenden Jugendlichen in Spanien auf die Straße. Er übt Druck auf Entscheider-Eliten aus, die unter dem Verdacht stehen, sich auf Kosten der Allgemeinheit zu bereichern. Die Forderung nach Verantwortung gegenüber der Zukunft konfrontiert mit den Schulden, die wir gemacht haben – den ökologischen wie den wirtschaftlichen.

Unter Globalisierungsbedingungen fordern die veränderten Problemszenarien zu neuen Positionsbestimmungen, vor allem aber zur Suche nach Lösungsoptionen auf. Die technische Entwicklung befragt dabei auch Kirche und Theologie auf ihre Fähigkeit, sich dem entsprechenden Problemdruck zu stellen. Die Salzburger Hochschulwoche 2012 setzt hier an. Sie greift den Imperativ verantworten als Motiv unterschiedlicher Ortsbestimmungen auf. Wo stehen wir – als Christinnen und Bürger? Welche Verantwortungsräume tun sich auf – kirchlich, gesellschaftlich? Welche Problemszenarien belasten unsere Zukunftserwartungen – und welches religiöse und wissenschaftliche Kapital können wir einsetzen, sie zu bestehen? Verantworten. Bewusst einfach gehalten, setzt der Titel der Salzburger Hochschulwoche auf verstörende Komplizierungen, die seine Vorlesungen und Diskussionen auslösen sollen.

Schon heute lade ich Sie herzlich ein, auch im nächsten Jahr wieder nach Salzburg zu kommen!