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Montag, 1. August, Eröffnungsrede Erzbischof Dr. Alois Kothgasser

 
Liebe Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Salzburger Hochschulwoche 2011!
Sehr geehrte Referentinnen und Referenten! 

 

Ganz herzlich darf ich Sie zur diesjährigen Salzburger Hochschulwoche begrüßen. Sie steht unter dem Titel "Sicher unsicher" und im Zeichen eines Jubiläums.

 

Vor achtzig Jahren haben die Salzburger Hochschulwochen zum ersten Mal stattgefunden. Unsere Welt hat sich zwischen 1931 und 2011 einschneidend verändert. Stellen Sie sich Ignatius Rieder, Jahrgang 1958, im Salzburg von heute vor: den Erzbischof, der die erste Salzburger Hochschulwoche eröffnet hat. Welche Entwicklungen und Erfahrungen trennen unsere Lebenswelten!

 

Der 2. Weltkrieg, die Zeit des kalten Krieges, die Umbrüche 1989, Entkolonialisierung und Globalisierung umspannen diese Zeit. Technische Entwicklung und Raumfahrt, Gentechnik und medizinischer Erkenntnisfortschritt, die ökonomischen Veränderungen der Arbeitswelt und die Revolution unserer Kommunikationsmöglichkeiten im Zeichen von Computer und Internet: sie und viele weitere Umbrüche geben dem Wandel ein Gesicht.

 

Ein Januskopf schaut uns an. Gewinn an Lebensqualität stehen humanitäre Katastrophen gegenüber. Erfahrungen von Sicherheit und Unsicherheit bleiben miteinander verschränkt. Die durchschnittliche Lebenserwartung eines Menschen des 21. Jahrhunderts ist seit 1931 massiv gestiegen - und mit ihr die Weltbevölkerung. Entscheidend verantwortlich sind Verbesserungen des Gesundheitswesens, der Hygiene und der Ernährung, der Wohnsituation, aber auch des materiellen Wohlstands. Sie zeigen gleichzeitig die Risikogruppen in unseren Gesellschaften an. Je besser das finanzielle Auskommen, desto leichter lassen sich anfallende Risiken bewältigen. Wer reicher ist, wird älter - jedenfalls im Schnitt und den Chancen nach. Umgekehrt kostet die ungleiche Verteilung von Risiken in der "Weltrisikogesellschaft" nach wie vor viel zu viele Menschen das Leben.

 

Sicher unsicher - wieder einmal holt die Dramatik der laufenden Ereignisse ein Thema der Salzurger Hochschulwochen ein. Die Hungerkatastrophe in Somalia führt uns vor Augen, was Leben  unter Bedingungen ökonomischer Unsicherheit bedeutet. Und die Bilder aus Norwegen ziehen uns in die zerbrechliche Selbstverständlichkeit unserer Alltagswelt hinein. Sicher unsicher - eine Topographie menschlicher Existenz lässt sich von diesen beiden antropologischen Polen her erschließen.

 

Seit ihrer Gründen haben die Salzburger Hochschulwochen versucht, die Entwicklungen ihrer Gegenwart kritisch zu begleiten und sie aus der Sicht christlicher Lebensbestimmung zu interpretieren. Auch in diesem Jahr zeigt sich die bleibende Aktualität dieser Aufgabe. Im breiten Spektrum wissenschaftlicher Perspektiven werden wir uns eine Woche lang an die Vermessung der Welt und des Menschen im Zeichen der Sicherheitsproblematik machen.

 

Ich wünsche uns informative Vorlesungen, anregende Diskussionen und Gespräche, die zur Nachdenklichkeit anstiften. 
Hiermit eröffne ich die Salzurger Hochschulwoche 2011. Sie wird auch in diesem Jahr wieder spannend - mit Sicherheit!