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Donnerstag, 4. August, Publikumspreis


Anton Webern als (De)Konstrukteur musikalischer (Un)Sicherheit
Publikumspreis an den Musikwissenschaftler und Theologen Dominik Skala.


Mit großer Mehrheit wurde am 4. August der Publikumspreis der diesjährigen Salzburger Hochschulwochen an Dominik Skala von der Universität Freiburg vergeben, der anhand Anton Weberns die Möglichkeit der Schaffung von Neuem aus zerbrochener musikalischer Tradition aufzeigte. Der zweite Preis ging an Patrick Becker aus Aachen, der dritte Preis an Christiane Schneider aus Bonn.


„Am Ende des 19. Jahrhunderts kommt das traditionelle Dur-Moll-System an seine Grenzen. Anfang des 20. Jahrhunderts brechen Schönberg und sein Schülerkreis die Dur-Moll-Tonalität auf in Richtung freie Atonalität. Alle zwölf Tonqualitäten erhalten den gleichen Wert. Ich frage nun, wie sinnvolle Musik entsteht, wenn die traditionelle Tonalität wegbricht“, so Skala zum zentralen Anliegen seines Vortrags. Am Beispiel des dritten Satzes „Sehr bewegte Viertel“ aus Anton Weberns Orchesterstücken (1913) zeigte Skala, wie bei diesem Komponisten traditionelle und neuartige Kompositionsmethoden aufeinandertreffen, mit bewährten Mustern gearbeitet wird und doch völlig Neues entsteht. Aus der Dekonstruktion des Bewährten wird Neues konstruiert. Das Ergebnis ist für menschliche Ohren oft gewöhnungsbedürftig. Skala bot dazu zwei Interpretationen: „Man kann darin den Verfall der traditionellen musikalischen Struktur erkennen oder, und diese Lesart präferiere ich, man sieht, dass die traditionelle Kompositionsmethode am Ende ist und eine neue Zeit neuer Ausdrucksformen bedarf.“


Von Lernbedingungen und Gottesbildern


Im Zusammenspiel von intellektueller Herausforderung und sicherer, geborgener Umgebung sah Patrick Becker, geboren 1976, die Voraussetzungen für gelingendes Lernen. Der 2008 promovierte Mitarbeiter für Systematische Theologie an der RWTH Aachen folgerte daraus, dass es auch in der universitären Lehre noch viel zu ändern gibt. Christiane Schneider, geboren 1981 und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Altes Testament an der Universität Bonn, erhielt den dritten Preis. Sie zeigte anhand der Verwendung des Bildes „Gott als Fels“ im Moselied von Dtn 32, dass Gottes Rache und Barmherzigkeit zusammengehören. „Das Gericht ist eingebettet in Zuflucht und Rettung. Es handelt sich um eine Verhältnisbestimmung von Gericht und Rettung bei Vorrang der Rettung. Diese Spannung gehört konstitutiv zum alttestamentlichen Gottesbild und führt uns die Notwendigkeit von Ambivalenztoleranz vor Augen.“
Der vom Katholischen Akademikerverband Deutschlands gestiftete Publikumspreis (1000/500/300 Euro) der Salzburger Hochschulwochen wurde heuer zum sechsten Mal vergeben. Graduierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aller Fachrichtungen bis Jahrgang 1976 waren eingeladen, einen Vortrag zum Thema der Hochschulwochen „Sicher unsicher“ einzureichen. Kriterien für den 25minütigen Vortrag sind die kommunikative Transferleistung, inhaltliche Originalität und fachwissenschaftliche Qualität. Das Publikum vergibt direkt nach den Vorträgen die Stimmen.