Skip to main content

Donnerstag, 5. August, Zwischen den Welten wandern

 

Als Theologe, Philologe und Philosoph wirft Christoph Markschies neue und ungewohnte Blicke auf die Geschichte des antiken Christentums und eröffnet damit andere Perspektiven auf die Kirche(n) der Gegenwart. Er wurde mit dem Theologischen Preis der Salzburger Hochschulwoche 2010 ausgezeichnet.

 

(SHW5/jugru) Der Theologische Preis der Salzburger Hochschulwoche wird seit 2006 jeweils für ein theologisches Lebenswerk verliehen und ist mit 5000€ dotiert. In diesem Jahr entschied die Jury – bestehend aus Erzbischof Alois Kothgasser, dem Rektor der Salzburger Universität Heinrich Schmidinger, der Salzburger Professorin für Neues Testament Marlies Gielen, dem Leiter der Katholischen Akademie in Bayern Florian Schuller, und dem Obmann der Salzburger Hochschulwoche Gregor M. Hoff –, den erst 47jährigen evangelischen Kirchenhistoriker und Präsidenten der Berliner Humboldt-Universität Christoph Markschies auszuzeichnen. Mit dieser Entscheidung unterstreicht die Jury die ökumenische Ausrichtung des Preises und der Salzburger Hochschulwoche; zugleich ehrt sie einen Theologen, der als Universitätsrektor Theologie als Wissenschaft im politischen und gesellschaftlichen Raum eine Stimme verleiht.

In seiner Laudatio auf den Preisträger betont Roland Kany, Professor für Kirchengeschichte des Altertums und Patrologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München, die vielfältigen Grenzüberschreitungen, die Markschies’ Arbeit kennzeichnen. Seine Kompetenzen und Qualifikationen kreuzen Fächergrenzen und reichen von Textphilologie zu Archälogie, von der Liturgiegeschichte bis zur antiken Sozialgeschichte. In seinen Forschungsarbeiten versucht Markschies, neue Brücken zu schlagen zwischen den Anfängen des Christentums und der Gegenwart. Eine genaue Kenntnis der Quellen ermöglicht dabei jene kreative Distanz, die für einen frischen Zugang zu diesen nötig ist: „Wer darum weiß, wie Deutungskonventionen entstanden sind, warum und von wem sie erfunden wurden, der kann sich auch leichter von ihnen lossagen und eigene Wege bahnen.“ Diese Wegsuche prägt jedoch nicht nur die inhaltliche Arbeit von Christoph Markschies. Als Universitätsrektor bewegt er sich an der Grenze von (Universitäts-)Politik und Wissenschaft, der kritisch „aus der Kompetenz heraus urteilt, die einzig der praktizierende und exzellente Wissenschaftler haben kann“, sagt Kany. In Anlehnung an einen Buchtitel Markschies’ kann damit sein bisheriges Lebenswerk als eines bezeichnet werden, das „zwischen den Welten wandert“ – zwischen der Antike und der Gegenwart, zwischen Theologie und den anderen Wissenschaften, zwischen Universität und Politik. Angesichts dieser vielfältigen Interessen und Arbeiten ist der „Preis für sein bisheriges Lebenswerk, den die Jury der Salzburger Hochschulwochen dem noch nicht Fünfzigjährigen verleiht, ganz gewiss kein ungedeckter Scheck auf die Zukunft“, so der Laudator.

Dass er dieses Wandern zwischen den Welten als eine theologische und religiöse Berufung betrachtet, streicht Markschies in seinen Dankesworten hervor: „Heute, nach Jahren im säkularisierten Mitteldeutschland und im stellenweise offen religionsfeindlichen Berlin ist mir klar, dass wir dieses Wort Gottes selbstverständlich in das öffentliche Gespräch einbringen müssen.“ Er fordert dafür eine „alltagstaugliche und trotzdem nicht banale Sprache der Theologie, die die Vielen anzusprechen vermag.“ In diesem Sinne versteht er die Auszeichnung mit dem Theologischen Preis auch als Auftrag: „Sie zeichnen mich für ein Gesamtwerk aus, ich habe aber noch viele Ideen dafür, wie und wo man es fortsetzen könnte.“