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Donnerstag, 5. August, Endlich Endlich? Vom Überleben einer endlichen Kirche

 

Den "Publikumspreis der Salzburger Hochschulwochen für wissenschaftliche Kommunikation" erhielt mit großer Mehrheit die 1982 geborene Theologin und Anglistin Sigrid Rettenbacher aus Salzburg.

 

(SHW6/jugru) „Die Kirche ist ein durch und durch zwiespältiges Phänomen,“ sagt Rettenbacher. Einerseits ist sie geprägt von einer oft nicht eingestandenen Schuldgeschichte von Kreuzzügen, Kolonialmission, Missbrauchsskandalen. Andererseits aber ist sie der Raum, in dem die Nachfolge Jesu Christi gelebt wird und seine Menschen- und Gottesliebe heute Wirklichkeit werden kann. Dieser Zwiespalt der Kirche lässt sich theologisch begründen: Es ist ihre Aufgabe, die universal relevante Botschaft von Jesus Christus weiterzugeben; sie kann die aber immer nur in ganz konkreten und damit auch begrenzten, endlichen Kontexten tun und ist als menschliche Größe dabei auch anfällig für menschliches Versagen. „In der Praxis freilich wurde dieses Spannungsgefüge nicht immer durchgehalten, Einseitigkeiten ließen sich nicht vermeiden. Oftmals wurde die begrenzte, menschliche Seite zugunsten der göttlichen, unfehlbaren verdrängt.“

Von diesem Ungleichgewicht in der zwiespältigen Realität Kirche geht Sigrid Rettenbacher aus. In ihrem Vortrag, mit dem sie das Publikum der Salzburger Hochschulwoche überzeugte, versucht sie, der Überbetonung des „absoluten, unfehlbaren“ Elements im Kirchenbild die Endlichkeit und Vorläufigkeit der Kirche als eine Ressource gegenüberzustellen, die erst ihr Überleben in kritischen Zeiten wie unserer sichern kann: „Gerade in der heutigen globalisierten und pluralisierten Gesellschaft würde es der Kirche gut anstehen, sich zu ihrer eigenen Begrenztheit zu bekennen. Jenseits der Preisgabe der eigenen Identität würde darin – theologisch gut argumentierbar – ein Potential für mehr Glaubwürdigkeit und Überzeugungskraft stecken.“

Sigrid Rettenbacher studierte Religionspädagogik, Anglistik und Philosophie in Salzburg und Berlin. Seit 2009 ist sie Assistentin am Zentrum für Theologie interkulturell und Studium der Religionen. Sie arbeitet an einer Dissertation zu einem Thema der Religionstheologie.

Der zweite Preis geht an Mathias Wirth, Jahrgang 1984, aus Köln. Er studierte katholische Theologie in Bonn und Rom und promoviert seit 2009 im Fach Dogmatik in Bonn. Sein Beitrag zum Publikumspreis der Salzburger Hochschulwoche steht unter dem Titel „Das Eigene am eigenen Tod – Der Tod als letztgültige Freiheitstat und wie Karl Rahner einen Kinderarzt verstehen hilft.“ Mit dem dritten Preis wird der Salzburger Daniel Saudeck, geb. 1982, ausgezeichnet. Der diplomierte Soziologe behandelt in seinem Vortrag Eschatologie, die Lehre von den letzten Dingen, als eine interdisziplinäre Fragestellung von Naturwissenschaften und Theologie.

Der mit tausend Euro dotierte "Publikumspreis für wissenschaftliche Kommunikation" der Salzburger Hochschulwochen wurde heuer zum fünften Mal vergeben. Eingeladen werden graduierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aller Fachrichtungen der Jahrgänge 1975 und jünger. Gefordert wird ein 25minütiger Vortrag zum Thema der jeweiligen Hochschulwochen (2010: Endlich! Leben und Überleben). Eine Jury wählt aus den anonymisierten Einsendungen drei Beiträge aus. Das Publikum vergibt direkt nach den Vorträgen die Stimmen. Kriterien sind fachwissenschaftliche Qualität, inhaltliche Originalität und die kommunikative Transferleistung. Gestiftet werden die Preise (1000/500/300 Euro) vom Katholischen Akademikerverband Deutschlands.

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8. 8. 2010: Gesine Schwan hält den Festvortrag im Rahmen des Festakts der Salzburger Hochschulwoche 2010: „Leben angesichts der Endlichkeit“.