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Dienstag, 3. August, Bilder der Endlichkeit

 

„Endlich! Leben und Überleben“ – dieses Rahmenthema führt die Salzburger Hochschulwoche 2010 ins Zentrum menschlicher Existenzfragen. Die Endlichkeit und Begrenztheit des Lebens wird von jeher auf vielfältigste Weise bearbeitet; die Salzburger Hochschulwoche bringt u.a. theologische und filmische Perspektiven zur Sprache.



(SHW2/jugru) Wie sehr Erfahrungen der Endlichkeit das Weltbild der hebräischen Bibel prägen und welche Impulse sich daraus für den interreligiösen Dialog und eine zeitgenössische Mystik ergeben, zeigt Christian M. Rutishauser SJ (Schweiz) in seiner dreiteiligen Vortragsreihe auf. Die Anerkennung der eigenen Endlichkeit geht dabei Hand in Hand mit einer Bejahung von Anderem: „Die eigene Begrenztheit und Endlichkeit wahrzunehmen, öffnet Aug und Ohr, darüber hinaus, hin auf das andere.“ Gerade die biblische monotheistische Tradition, so Rutishauser, der in Judaistik in Jerusalem und New York promovierte, schreibt den Sinn für das Fremde und Andere in die Weltsicht ein – „angefangen bei einem Gott, der dem Menschen nahe ist und von dem doch kein Bild gemacht werden darf, beim Blick auf die Natur, die als differenzierte Schöpfung gedeutet wird oder bei ethischen Anweisungen, das Handeln gerade auch von Fremden her mitzubedenken.“

Das Andere, die Anderen, werden dabei zum Sakrament unserer Endlichkeit, sagt Rutishauser – sie stoßen uns an die Grenzen unserer Endlichkeit und sind innerhalb dieser Welt immer schon ein Verweis auf Gott als den ganz Anderen. Daraus ergeben sich auch ethische Herausforderungen: „Mit dem Andern leben lernen, ihn in seiner Fremdheit und in seinem Selbstverständnis zu schätzen und in eine konstruktive Beziehung einzutreten, ist die geistliche Aufgabe schlechthin.“

Mit (Welt-)Bildern ganz anderer Art nähert sich der Workshop von Christa Pafferott, freie Filmemacherin und Autorin in Hamburg, dem Thema der Endlichkeit: „Wie Geburt, Gewalt und Liebe, so ist Tod eines der zentralen Erzähl- und Handlungsmotive im Film. Dramaturgisch wie ästhetisch treibt das Bewusstsein und die Furcht um den Tod sowie der Akt des Tötens und Sterbens selbst die Handlung eines Films voran, kristallisiert die Psychologie der Akteure heraus und lässt den Zuschauer mitfühlen, mitleiden, mitfiebern.“ Die Allgegenwart des Todes im Film wird dabei dramaturgisch unterschiedlich eingesetzt. Zum einen, so Pfafferott, bedient sie ans Voyeuristische grenzende Bedürfnisse: „Es ist fast ein ungeschriebenes Gesetz, eine Art Zuschauervertrag, dass der Tod im Film zu dem gehört, was dem Zuschauer als Spektakel geboten wird, was er immer wieder aufs Neue zu sehen wünscht.“ Zahlreiche Filme gehen indes tiefer und machen den Tod zum zentralen existentiellen Thema. „Dabei geht es auch um das Verstehen und Annehmen des Unvermeidlichen, oder auch um „Gerechtigkeit“ sowie um Chancen und Bedingungen menschlicher Würde.“

Der Film hat jedoch nicht nur inhaltlich, sondern auch als Medium selbst eine „inhärente Affinität zum Tod selbst“. Pfafferott zitiert Susan Sontag: „Jedes Foto ist ein memento mori, ein Abzug des Lebens. Fotografieren bedeutet Teilnehmen an der Sterblichkeit, Verletzlichkeit und Wandelbarkeit anderer Menschen. Eben dadurch, dass wir diesen Moment herausgreifen und erstarren lassen, bezeugen alle Fotografien das unerbittliche Verfließen der Zeit.“ Bilder und Filme sind so im Darstellen unserer Endlichkeit ambivalent: „Das Bild, das uns in unserer Verletzlichkeit, Endlichkeit festhält, zementiert uns, macht uns für einen Abzug unsterblich und zeigt damit umso unerbittlicher, dass die Zeit nicht stehen bleibt.“