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Theologischer Preis an Eberhard Schockenhoff verliehen

Renommierter Preis der "Salzburger Hochschulwochen" würdigt theologisches Lebenswerk eines "öffentlichen Intellektuellen" - Schockenhoff: "Öffentlichkeit ist eine zentrale Dimension des kirchlichen Lebens" - Laudatorin Schavan: Schockenhoff ist "die" Stimme der Moraltheologie

Der Freiburger Moraltheologe Eberhard Schockenhoff ist mit dem "Theologischen Preis" der "Salzburger Hochschulwochen" ausgezeichnet worden. Der renommierte Preis würdigt das Theologische Lebenswerk Schockenhoffs, der als Wissenschaftler und als "öffentlicher Intellektueller" u.a. bioethische Debatten vorangetrieben und "mit seiner Stimme geprägt" habe, heißt es in der Begründung der Jury. Schockenhoff habe sich nie hinter "Schreibtischgelehrtheit" versteckt, sondern seine theologische Expertise stets "engagiert in gesellschaftlich, kirchlich und politisch virulente Diskurse der Gegenwart eingespeist, dort bewährt, auch weiterentwickelt".

 

Verliehen wurde der mit 5.000 Euro dotierte und maßgeblich von der Erzabtei St. Peter gesponserte Preis am Mittwochabend in Salzburg. Anwesend waren u.a. der Salzburger Erzbischof Franz Lackner, der Linzer Diözesanbischof Manfred Scheuer, der Generalsekretär der Österreichischen Bischofskonferenz, Peter Schipka, der Augsburger Weihbischof Anton Losinger, die Äbte Theodor Hausmann (St. Stephan), Johannes Perkmann (Michaelbeuern) und Benno Malfer (Muri-Gries bei Bozen), der Abtpräses der Österreichischen Benediktinerkongregation, Christian Haidinger, der Abtpräses der Benediktinerkongregation von St. Ottilien, Jeremias Schröder, der frühere Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Alois Glück, sowie der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Salzburg, Marko Feingold.

 

In seiner Dankesrede unterstrich Schockenhoff die Bedeutung der Öffentlichkeit (Das Oberthema der gesamten Hochschulwoche lautet "Öffentlichkeiten") für Kirche und Theologie. Öffentlichkeit dürfe dabei nicht als "Gegenüber der Kirche" oder nur als "Adressat ihrer Verkündigung" begriffen werden, sondern stelle "eine Dimension des kirchlichen Lebens" dar. Die Botschaft Jesu sei es schließlich, hinauszugehen und allen Menschen das Evangelium zu verkünden. Insofern widerspräche es dem Wesen und Auftrag der Kirche, "wollte sie sich aus der Öffentlichkeit zurückziehen, um ihren Glauben nur in einer abgeschlossenen Sonderwelt zu leben", so Schockenhoff. Öffentlichkeit sei damit "von konstitutiver Bedeutung für das Christsein der Gläubigen und für das Volk-Gottes-Sein der Kirche".

 

Die Theologie sei gefordert, die Öffentlichkeit und damit eine größere als die eigene Fach-Community zu suchen, um vor diesem großen Forum "Rechenschaft über den eigenen Glauben und dessen Vernunftgemäßheit abzulegen". Schließlich sei die Theologie nicht ein Handlanger des römischen Lehramtes, dem sie zu dienen habe, sondern sie speise sich aus dem Glauben der Kirche selber, der wiederum in der Öffentlichkeit artikuliert und reflektiert werde.

 

Schavan: "Die" Stimme der Moraltheologie

 

Die Laudatio hielt die frühere deutsche Bundesministerin für Bildung und Forschung und jetzige deutsche Botschafterin am Heiligen Stuhl, Annette Schavan. Schavan würdigte darin Schockenhoff als "'die' Stimme der Moraltheologie" in den zeitgenössischen öffentlichen ethischen Debatten. Durch den Dreiklang von Wissenschaftlichkeit, Kirchlichkeit und dem "Ethos einer kritischen Zeitgenossenschaft" sei Schockenhoff zu einem "hoch angesehenen und gefragten Gesprächspartner" geworden, der es verstehe "Brücken zu bauen, wo unversöhnliche Positionen aufeinander stoßen".

 

Damit sei Schockenhoff zu einer "Persönlichkeit des öffentlichen Lebens" und zu einem "politischen Menschen im besten Sinne geworden", so Schavan. Er lebe das "Ethos kritischer Zeitgenossenschaft" und verstehe Politik insofern als eine Kunst, die u.a. auf das Gemeinwohl ziele und sich somit wohltuend vom Kleinklein der Parteipolitik abhebe: "Sein Wort hat Gewicht, auch deshalb, weil es klärend wirkt ohne jeden Hauch von Ideologie und weil er auch dann fair bleibt, wenn ihm unfair begegnet wird." Zugleich sei Schockenhoff als geweihter Priester immer ein Mann der Kirche geblieben - er sei "mit Leidenschaft Priester" und sei seiner Kirche "auch in schwierigen Zeiten" zur Seite gestanden.

 

Biografische Notizen

 

Eberhard Schockenhoff wurde am 29. März 1953 in Stuttgart geboren. Nach seiner Promotion bei Alfons Auer und der Habilitation bei Walter Kasper in Tübingen lehrte er von 1990 bis 1994 Moraltheologie in Regensburg. Seit 1994 vertritt er dieses Fach an der Theologischen Fakultät der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Bis 2016 war er u.a. Mitglied des Nationalen und später des Deutschen Ethikrates.

 

Seit 2016 steht er dem Katholischen Akademischen Ausländerdienst (KAAD), einem Stipendienwerk für die Länder Lateinamerikas, Afrikas, des Nahen Ostens und Asiens sowie Osteuropas als Präsident vor. Er ist Mitglied der Heidelberger Akademie der Wissenschaften und der Europäischen Akademie der Wissenschaften in Salzburg.

 

Schockenhoff ist Priester der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Zu seinen bekanntesten Werken gehört u.a. das Buch "Ethik des Lebens. Grundlagen und neue Herausforderungen", das 2014 in inzwischen fünfter Auflage erschienen ist.

 

Der Jury des "Theologischen Preises" gehören neben dem Obmann der "Salzburger Hochschulwochen", Martin Dürnberger, auch der Rektor der Universität Salzburg, Heinrich Schmidinger, Erzabt Korbinian Birnbacher, die Salzburger Bibelwissenschaftlerin Marlies Gielen sowie der Leiter Katholischen Akademie in Bayern, Florian Schuller, an.