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"Publikumspreis" für Paderborner Nachwuchs-Theologen

Mit 1.000 Euro dotierter erster Preis der "Salzburger Hochschulwochen" ging an Lukas Wiesenhütter für einen Vortrag über das Verhältnis von Scharia und katholischer Soziallehre

Der "Publikumspreis" der "Salzburger Hochschulwoche" geht heuer an den Paderborner Nachwuchs-Theologen Lukas Wiesenhütter. Der mit 1.000 Euro dotierte Preis wurde am Donnerstagnachmittag in Salzburg vergeben. Er ist nach dem "Theologischen Preis" die zweite Auszeichnung, die im Rahmen der Hochschulwochen vergeben wird. Würdigt der "Theologische Preis" ein Lebenswerk, so versteht sich der heuer zum zwölften Mal vergebene "Publikumspreis" als Förderpreis für Nachwuchswissenschaftler der Jahrgänge 1982 und jünger. Wiesenhütter setzte sich mit dem Vortrag über das Verhältnis von Scharia und katholischer Soziallehre gegen die Wiener Theologin Stephanie Höllinger (2. Platz) und die Gießener Theologin Antonia Bräutigam (3. Platz) durch.

 

In seinem Vortrag plädierte der 1989 geborene Wiesenhütter für eine neue Lernbereitschaft der christlichen Theologie gegenüber islamischen Traditionen, speziell für eine Vermittlung von katholischer Soziallehre und der Scharia. Die Scharia stelle nämlich bei genauer Betrachtung eine komplexe Rechts- und Soziallehre dar, die auf durchaus vergleichbaren Prinzipien wie die katholische Soziallehre aufbaue. Wie nämlich die katholische Soziallehre mit ihren Prinzipien der Personalität, Solidarität und Subsidiarität auf die Herstellung sozial gerechter Verhältnisse abzielt und dabei die säkulare Gesellschaft nicht bekämpft, sondern als Partner sieht, so gelte dies letztlich auch für die Scharia.

 

Diese ziele nämlich weder auf einen "religiösen Eroberungsversuch der säkularen Öffentlichkeit", wie es weit verbreitete Vorurteile suggerieren, noch beschreibe Scharia ein Strafrecht, sondern sie meine vielmehr eine "Rechtsmethodik", die das Verhältnis Gott-Mensch jeweils geschichtlich neu auszuloten hat. Im Blick auf konkrete gesellschaftspolitische Fragen und Herausforderungen wie etwa die Themen der sozialen Gerechtigkeit oder den Umweltschutz wäre daher auch ein Brückenschlag zwischen christlicher und islamischer Theologie denkbar.

 

Lukas Wiesenhütter studierte bis 2015 Katholische Theologie an der Universität Freiburg. Derzeit ist er Promotionsstudent und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Systematische Theologie der Universität Paderborn. Dort forscht er über christliche und muslimische Zugänge zur Theodizee-Frage.

 

Der mit 500 Euro prämierte zweite Preis ging an die Theologin Stephanie Höllinger. Höllinger, die derzeit im Bereich Systematische Theologie und Ethik an der Universität Wien promoviert, votierte in ihrem Vortrag "Öffentlichkeit als menschlicher Ausdruck" gegen jeden "Medienpessismisus", da sich selbst fakenews und shitstorms aus anthropologischen Grundkonstanten erklären lassen und also die Verantwortung des Einzelnen in den Medien in den Vordergrund zu rücken sei.

 

Der mit 300 Euro prämierte dritte Preis ging an die Theologin Antonia Bräutigam. Bräutigam, seit 2014 Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Katholische Theologie der Justus-Liebig-Universität Gießen, zeigte in ihrem Vortrag "Religiöse Sprachfähigkeit in der säkularen Öffentlichkeit" die Relevanz einer Übersetzung religiöser Gehalte in säkulare Sprachformen auf, will Kirche und Theologie in einer "mediatisierten Gesellschaft" weiterhin sprachfähig bleiben.

 

Eine Fachjury hatte im Vorfeld aus den Einreichungen drei anonymisierte Vorträge ausgewählt. Im Rahmen öffentlicher Vorträge zu je 25 Minuten lag es dann am Donnerstagnachmittag am Publikum, den Siegerbeitrag zu küren. Kriterien der Beurteilung sollten fachwissenschaftliche Qualität, inhaltliche Originalität sowie die kommunikative Transferleistung der Beiträge sein.