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"Publikumspreis" für Berliner Politikwissenschaftler

Mit 1.000 Euro dotierter Preis der "Salzburger Hochschulwochen" ging an Stefan Hunglinger für Essay über "Leidenschaft für den 'Dritten Raum'"

Salzburg, 4.8.2016 (KAP) Der "Publikumspreis" der "Salzburger Hochschulwoche" geht heuer an den Berliner Politikwissenschaftler und Theologen Stefan Hunglinger. Der mit 1.000 Euro dotierte Preis wurde am Donnerstagnachmittag in Salzburg vergeben. Er ist nach dem "Theologischen Preis" die zweite Auszeichnung, die im Rahmen der Hochschulwochen vergeben wird. Würdigt der "Theologische Preis" ein Lebenswerk, so versteht sich der heuer zum elften Mal vergebene "Publikumspreis" als Förderpreis für Nachwuchswissenschaftler der Jahrgänge 1981 und jünger. Hunglinger setzte sich mit seinem Vortrag über die "Leidenschaft für den 'Dritten Raum'" gegen die Gießener Theologin Antonia Graichen und den Würzburger Moraltheologen Michael Clement durch. 

 

In seinem Vortrag plädierte der 1991 in Traunstein geborene Hunglinger für eine neue gesellschaftliche Wertschätzung einer kritischen Öffentlichkeit. Ein solcher "Dritter Raum" zwischen Staat und Person bzw. Individuum sei "hybrid" und zugleich "antitotalitär", insofern es in ihm darum gehe, "den Anderen in seiner Andersheit auszuhalten". Wo es gelinge, eine solche kritische Öffentlichkeit herzustellen - etwa an Universitäten oder in intellektuellen Diskursen -, da wachse die Einsicht, dass es nicht Ziel sein könne, Anderes, Fremdes zu integrieren, sondern es als Anderes wertzuschätzen. 

 

Beispiele für Leitfiguren einer solchen Öffentlichkeit seien etwa der deutsch-iranische Publizist Navid Kermani, der es bei seiner Dankesrede zur Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels im vergangenen Oktober geschafft habe, die deutsche Öffentlichkeit mit einem Gebetsaufruf zu verstören. Die zum Teil wütenden feuilletonistischen Reaktionen darauf würden eine Kultur bloßstellen, die sich in einer sich selbst abdichtenden Bürgerlichkeit gefällt und in einem "neuen Kulturrassismus" zu erstarren drohe. Dabei habe es immer wieder jene Autoren und Intellektuelle gegeben, die - gleichwohl von der Öffentlichkeit missverstanden - mit einem "hohen Ton" sprachen und der Gesellschaft damit den Spiegel vorhielten, wie etwa Franz Kafka, Ingeborg Bachmann oder Paul Celan. 

 

Auf institutioneller Seite könnten aber auch Einrichtungen wie die "Salzburger Hochschulwochen" als solche "Dritten Räume" betrachtet werden, da in ihnen nicht der Konsens in der Sache das Ziel sei, sondern die Konfrontation mit dem Anderen, mit anderen Positionen und Argumenten, die es auszuhalten gelte.

 

Stefan Hunglinger studierte Katholische Theologie, Politikwissenschaften und Komparatistik in Freiburg/Breisgau und Wien. Derzeit ist er Stipendiat im Masterprogramm "Religion & Culture" an der Humboldt Universität Berlin. 

 

Der mit 500 Euro prämierte zweite Preis ging an den Theologen Michael Clement. Clement, seit 2010 Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Moraltheologie an der Universität Würzburg, plädierte in seinem Vortrag "Gewissensstärke aus Leidenschaft" für eine Wiederentdeckung des Wertes der Leidenschaften für die Gewissensbildung. Der mit 300 Euro prämierte dritte Preis ging an die Theologin Antonia Graichen. Graichen, seit 2014 Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Katholische Theologie der Justus-Liebig-Universität Gießen, zeichnete in ihrem Vortrag über "Die literarische Jenseitsreise in der Moderne" nach, wie die Literatur mit der anthropologischen Grundsehnsucht nach dem Absoluten umgeht und was daraus für den modernen Menschen zu lernen ist. 

 

Zum "Publikumspreis" eingereicht worden waren elf Beiträge, aus denen eine Fachjury im Vorfeld drei Beiträge ausgewählt hat. Im Rahmen öffentlicher Vorträge a 25 Minuten lag es dann am Donnerstag am Publikum, den Siegerbeitrag zu küren. Kriterien der Beurteilung sollten fachwissenschaftliche Qualität, inhaltliche Originalität sowie die kommunikative Transferleistung der Beiträge sein.